Theorie – Reflexion im Lehrerberuf

In einer auf stetigen Fortschritt ausgerichteten Gesellschaft nimmt das Reflexionsvermögen einen hohen Stellenwert ein. Je nach Anwendungsbereich werden dabei unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. BRENDEL (2018, S. 11) stellt zwei zentrale Konzepte der Reflexionsforschung gegenüber: „das reflexive Denken als vertieftes Nachdenken über Inhalte, basierend auf dem Werk von John Dewey (1933), und die reflexive Praxis als Reflexion des eigenen Handelns und Handlungsalternativen nach Donald Schön (1983)“

Diese beiden Reflexionsmöglichkeiten greifen in der Praxis oft ineinander. In einem strukturierten Reflexionsprozess kann es jedoch sinnvoll sein, diese Prozesse getrennt voneinander zu betrachten. Im Schulkontext sind beide Prozesse notwendig, um eine wirkungsvolle Evaluation des eigenen Unterrichts durchzuführen. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport veröffentlichte ein Modell eines idealtypischen Evaluationsprozesses. Dieser enthält sowohl inhaltliche und auch handlungsorientierte Reflexionen. Der Prozess des Sammelns und Auswertens von Daten findet auf inhaltlicher Ebene statt. Die Konsequenzen die daraus gezogen werden, erfordern jedoch ein reflexives Denken über das eigene Handeln im Unterricht.

Idealtypischer Evaluationsprozess
(Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2005, S. 8)

Das Reflexion in der Unterrichtspraxis von großer Bedeutung ist, wird durch Blogsammlungen wie die der Blogparade von Torsten Larbig unterstrichen. Die Anzahl an Lehrkräften die sich dem Projekt einer Reflexionssammlung angeschlossen haben zeigt einerseits, dass die Nachfrage an wirkungsvollen Lösungen vorhanden ist und andererseits, dass es kein allgemeingültiges wissenschaftliches Vorgehen existiert. (LARBIG 2012)

Die gesammelten Beiträge lassen sich in Selbstreflexion, Schülerfeedback und Feedback von Kollegen oder externen Personen unterscheiden. Die Selbstreflexion scheint dabei die meist genutzte Form zu sein. Sie kann effizient durch Annotationen am Stundenverlaufsplan erfolgen, durch Reflexionstagebücher oder dem Führen eines Unterrichtskalenders, der anschließend als Reflexionsgrundlage dient. Das Schüler/innenfeedback wird ebenfalls in fast allen Beiträgen erwähnt. Es dient dazu die eigenen Eindrücke mit den der Schüler/innen abzugleichen und entsprechende Rückschlüsse zu ziehen. Dies ist jedoch nicht möglich, „wenn der Lehrer keinen Lernwillen der Schüler voraussetzt und da, wo er nicht vorhanden ist, nicht erkennt, wodurch er verloren ging. Das heißt, es muss eine offene Kommunikation möglich sein.“ (BÖHME 2012) Die Möglichkeit Feedback von Kollegen einzuholen, scheint unter den Reflexionsbefürworter sehr groß zu sein. Einige Lehrkräfte schätzen auch die Möglichkeit der Hospitation anderer Unterrichtsstunden, um diese als Reflexionsgrundlage für den eigenen Unterricht zu verwenden.

„Gesamte Stundenkonzepte werfe ich aber über den Haufen, wenn ich Unterrichtsbesuche bei anderen Kollegen mache. Sie geben mir Inspiration und lassen mich meinen eigenen Unterricht in einem ganz anderen Licht erscheinen.“ (IVO 2012)

Reflexion kann zusätzlich in der zeitlichen Dimension unterteilt werden. Die stündliche Annotation des Stundenentwurfs ist eine kurzfristige Variante. Einschätzung einer Sequenz, ob nun durch Selbstreflexion oder durch Schüler/innenfeedback ist mittelfristig und eine langfristige Reflexion umfasst die Einschätzung des gesamten Schuljahres oder zumindest Schulhalbjahres. Die Unterteilungen des Inputs und des Zeitraums ist nicht als entweder oder zu verstehen. Sie ergänzen sich gegenseitig und bilden fließende Übergänge.

Kommentar

Ich denke eine gute Reflexion benötigt Impulse aus allen drei Bereichen. Die von mir am häufigsten durchgeführte Methode ist die Selbstreflexion. Nach jedem Unterricht überarbeite ich meinen Stundenverlaufsplan. Im ersten Schritt schätze ich möglichst objektiv die Umsetzung meines Vorhabens ein. Was lief wie geplant und wo gab es Probleme? Durch eine Betrachtung der eingesetzten Methoden in den unterschiedlichen Unterrichtsphasen versuche ich im Anschluss mein eigenes Handeln zu reflektieren. Diese Methode lässt sich ohne großen Aufwand sehr effizient durchführen. Wie bereits in den Beiträgen der Blogparade angeklungen, schätze auch ich das Schüler/innenfeedback als eine der wichtigsten Reflexionsmöglichkeiten ein. Ein konstruktives Schülerfeedback muss gut angeleitet sein und kann in der Regel nur in der Unterrichtszeit stattfinden, daher ist es nicht in der selben Frequenz wie die Selbstreflexion möglich. Es gibt jedoch gute Möglichkeiten es zumindest ein bis zwei Mal im Halbjahr durchzuführen.

Zuletzt nutze ich dafür die 3-2-1 Methode. Meine letzte Reflexion sah wie folgt aus:

Nenne 3 Dinge, die dir in diesem Halbjahr besonders gut gefallen haben.
Nenne 2 Dinge, die im nächsten Halbjahr anders laufen sollen.
Nenne 1 Sache die du noch los werden möchtest.“

Es sind beliebig viele andere Formulierungen oder Methoden zum Schülerfeedback denkbar. Die Reflexion durch externe Personen, ist eine Möglichkeit, die meiner Meinung nach zu wenig genutzt wird. Besonders erfahrene Lehrkräfte stehen dem sehr skeptisch gegenüber. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Vermutlich ist es die Gefahr kritisiert zu werden, bei gleichzeitiger Überzeugung guten Unterricht durchzuführen. Doch es sollte nicht als Überprüfung, sondern viel mehr als Chance gesehen werden sich auszutauschen.

Es sind beliebig viele andere Formulierungen oder Methoden zum Schülerfeedback denkbar. Die Reflexion durch externe Personen, ist eine Möglichkeit, die meiner Meinung nach zu wenig genutzt wird. Besonders erfahrene Lehrkräfte stehen dem sehr skeptisch gegenüber. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Vermutlich ist es die Gefahr kritisiert zu werden, bei gleichzeitiger Überzeugung guten Unterricht durchzuführen. Doch es sollte nicht als Überprüfung, sondern viel mehr als Chance gesehen werden sich auszutauschen.

Wichtiger als die theoretische Reflexion ist am Ende die praktische Umsetzung des Reflexionsergebnisses. Daher sollte ein Reflexionsprozess immer in einem konkreten Handlungsplan münden.

Literaturverzeichnis

BÖHME, W. (2012): Reflektierende Praktiker – Blogparade. URL: http://fontanefan.blogspot.com/2012/08/reflektierende-praktiker.html (25.01.2019).

BRENDEL, N. (2018): Reflexives Denken im Globalen Lernen fördern: Eine qualitative Studie zu Weblogs im Geographieunterricht. In: Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, 41 (1), S. 10–16.

IVO (2012): Blogparade: Reflektierende Praktiker. URL: https://www.ivo-s.de/wp/archives/2012/08/07/blogparade-reflektierende-praktiker/ (25.01.2019).

LARBIG, T. (2012): Einladung zur Blogparade: Reflektierende Praktiker (Lehrende und Co). URL: https://herrlarbig.de/2012/08/07/einladung-zur-blogparade-reflektierende-praktiker-lehrende-und-co/ (25.01.2019).

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